# DMC — Kommunikationsschicht Erweiterung der bestehenden Flutter-App um die Verbindung zum Fluggerät. Betrifft **nur** Transport, MSP und die zugehörige Bedienung. Planung, Karte, Wind und Gelände sind vorhanden und werden nicht berührt. --- ## 1. Aufgabe und Aufbau ``` Handy ──WLAN (UDP)──► RadioMaster Pocket (mLRS Tx + Backpack ESP) │ LoRa 2,4 GHz Funke ──CRSF (intern)─────────┤ ▼ XR1 (mLRS Rx) ──UART/MspX──► FC (iNAV, MSP) ``` RC und MSP teilen sich dieselbe LoRa-Strecke. Die Fernsteuerung läuft parallel unverändert weiter. **MVP: WLAN über UDP.** Bluetooth ist auf dieser Hardware **nicht** möglich — die mLRS Wireless Bridge läuft auf dem Backpack-Chip, und laut mLRS-Dokumentation bieten ESP8266/ESP8285 sowie die ESP32-Cx-Reihe kein klassisches Bluetooth. Bei RadioMaster-Modulen ist der Backpack ein ESP8285: WLAN, sonst nichts. Das mit „Bluetooth" beworbene Merkmal der Funke betrifft den Haupt-Chip des Moduls (Simulator-Joystick), nicht die mLRS-Bridge. **Vor Beginn prüfen:** Im mLRS Web Flasher zeigt der Punkt „Flash Wireless Bridge" das Backpack-Target. ESP8285 → nur WLAN. ESP32-C3 → WLAN und BLE, kein Classic. Später möglich: USB-Seriell als kabelgebundene Rückfallebene. --- ## 2. Transportschnittstelle Zuerst bauen. Alles Weitere wird ausschließlich dagegen programmiert. ```dart enum LinkState { disconnected, connecting, connected, error } abstract class LinkTransport { Stream get incoming; Stream get state; Future send(Uint8List data); Future connect(); Future disconnect(); void dispose(); } ``` Implementierungen: `UdpTransport` (MVP), `LoopbackTransport` (Tests ohne Hardware), später `UsbSerialTransport`. **Regel, als Abnahmekriterium prüfbar:** kein Netzwerk- oder Plattform-Import außerhalb von `transport/`. Der MSP-Code kennt nur `LinkTransport`. Diese Zweiteilung — rohe Bytes unten, Protokoll darüber — entspricht dem Aufbau von Kite GC (`ByteTransport` + Protokollschicht) und hat sich dort bewährt. --- ## 3. UDP-Transport Die Bridge erzeugt `mLRS-xxxx AP UDP`, ohne Passwort, Port **14550**. ### Das entscheidende Umsetzungsmuster Kite GC und Mission Planner kommen unabhängig voneinander zum selben Ergebnis. Beide Punkte sind nicht optional — ohne sie empfängt die App **kein einziges Byte**: **1. Lokal auf denselben Port binden, den man ansprechen will (14550).** Nicht auf einen flüchtigen Port. WLAN-Telemetriebrücken senden an einen festen Port; ein zufälliger lokaler Port verwirft das stillschweigend. Ist 14550 belegt, auf einen flüchtigen ausweichen, aber das protokollieren. **2. Kein `connect()`. Gegenstelle aus dem Verkehr lernen.** Ziel mit der konfigurierten Adresse vorbelegen (damit das erste Paket rausgeht), danach auf die Quelladresse umstellen, von der tatsächlich Daten kommen. Deckt Lausch-, Client- und Broadcast-Betrieb gleichermaßen ab. Mission Planner führt zusätzlich eine Liste aller Gegenstellen, die gesendet haben. Für uns nicht nötig, aber der Grund ist bedenkenswert: Es kann mehr als eine geben. **Zieladresse niemals fest eincodieren.** Vorbelegung aus der Gateway-Adresse des Netzes, danach gilt die gelernte Adresse. **Lesezeitgrenze kurz halten** (etwa 50 ms). Sie begrenzt, wie lange ein ausgehender Befehl wartet, bis die laufende Leseoperation zurückkehrt. ### Berechtigungen Als Ausgangspunkt die Liste, die Mission Planner tatsächlich verwendet: ```xml ``` `WAKE_LOCK` ist im Flug nötig, sonst schläft das Gerät während der Telemetrie ein. `CHANGE_WIFI_MULTICAST_STATE` erst anfordern, wenn sich zeigt, dass die Bridge per Broadcast sendet — dann wird auch ein MulticastLock gebraucht. `android:usesCleartextTraffic="true"` setzen, falls die Bridge je über HTTP angesprochen wird. Für UDP nicht erforderlich. --- ## 4. Die Routing-Frage — Leiter statt Festlegung Das mLRS-Netz hat kein Internet. Die Sorge ist, dass Android den Verkehr weiter über Mobilfunk leitet und die UDP-Pakete verschwinden. **Wie gravierend das ist, ist offen.** Weder Mission Planner noch Kite GC bindet das Netz — im gesamten Mission-Planner-Quelltext gibt es kein `bindProcessToNetwork` und kein `WifiNetworkSpecifier`, und die dafür nötige Berechtigung `CHANGE_NETWORK_STATE` wird nicht einmal angefordert. Bei `targetSdkVersion 35`. Entweder tritt das Problem seltener auf als beschrieben, oder beide Projekte überlassen die Lösung dem Nutzer (mobile Daten abschalten). **Deshalb: von unten nach oben durchprobieren, beim ersten Erfolg aufhören.** ### Stufe 0 — Messung (zuerst, vor allem anderen) Kleiner Versuch auf echter Hardware, **mit aktiven mobilen Daten** — ohne zweites Netz misst man nichts. 1. UDP-Socket auf 14550 binden, Paket an die Bridge senden 2. Prüfen, ob eine Antwort kommt 3. Parallel eine HTTP-Anfrage absetzen und prüfen, ob sie durchgeht Ergebnis schriftlich festhalten, es entscheidet über alles Weitere. ### Stufe 1 — ohne Bindung Wenn Stufe 0 erfolgreich war: fertig. Kein Sonderfall, keine Plattform-Kanäle. ### Stufe 2 — Bindungsfenster Falls UDP nicht ankommt. Android bindet laut Dokumentation **alle künftig erzeugten Sockets** an das gesetzte Netz, und die Bindung haftet am Socket: 1. Prozess an das WLAN binden 2. UDP-Socket in Dart erzeugen 3. Prozessbindung sofort wieder lösen Der Socket bleibt am WLAN, spätere Verbindungen (Karten, Wetter) laufen wieder über die Standardroute. Kostet einen Plattform-Kanal mit zwei Methoden. **Unbestätigt:** ob die Prozessmarkierung auch für Sockets greift, die Dart auf seinen eigenen I/O-Threads erzeugt. Der Mechanismus spricht dafür, dokumentiert ist es nicht. Deshalb steht Stufe 0 am Anfang. Achtung: Trennt sich das Netz, hören so gebundene Sockets nach Dokumentation auf zu funktionieren — bewusst so gestaltet. Die Wiederverbindung muss den Socket verwerfen und neu erzeugen, und dabei das Fenster wiederholen. ### Stufe 3 — nativer Socket Falls Stufe 2 scheitert. UDP-Socket in Kotlin öffnen, per `Network.bindSocket(DatagramSocket)` einzeln binden, Daten über einen EventChannel nach Dart. Android empfiehlt Socket-genaue Bindung ausdrücklich gegenüber der Prozessbindung; aus Dart ist sie nur nicht erreichbar, weil weder Socket-Objekt noch Deskriptor herausgegeben werden. ### Verbindungsaufbau mit dem WLAN Unabhängig von der Stufe. Zwei Wege: - **Einfach:** Nutzer verbindet sich über die Systemeinstellungen. Die App prüft nur, ob ein Netz mit Präfix `mLRS-` aktiv ist, und weist sonst darauf hin. - **Komfortabel:** `WifiNetworkSpecifier` mit **Präfix-Muster** (`setSsidPattern("mLRS-", PATTERN_PREFIX)`), weil die SSID eine Zufallszahl enthält. Der Systemdialog zeigt dann nur die Bridge, der Nutzer bestätigt. Braucht `CHANGE_NETWORK_STATE`. Verbindung ist an die App gebunden und wird beim Beenden getrennt — für eine Bodenstation eher praktisch. Für den MVP reicht der einfache Weg. --- ## 5. MSP ### Rahmenformat iNAV erwartet **MSPv2**. MSPv1 reicht nicht. ``` '$' 'X' dir: '<' Anfrage, '>' Antwort, '!' Fehler crc: CRC8 DVB-S2 über flag..payload ``` Zu bauen: Kodierer, **Streaming-Dekodierer als Zustandsautomat** (der Byte-Strom kommt fragmentiert an — mehrere Pakete in einem Lesevorgang, ein Paket über mehrere Lesevorgänge), CRC-Prüfung, Verwerfen fehlerhafter Rahmen ohne den Strom zu verlieren. ### Polling MSP ist Frage und Antwort — von selbst kommt nichts. Eigener Takt: | Zweck | Rate | |---|---| | Position, Lage, Höhe | 5–10 Hz | | Status, Flugmodus | 2 Hz | | Spannung, Strom | 1 Hz | Immer nur **eine offene Anfrage**, mit Zeitgrenze (etwa 500 ms) und Wiederholung. Sonst laufen bei schwacher Strecke die Antworten durcheinander. **Befehlsnummern nicht aus dem Gedächtnis übernehmen.** Gegen `msp_protocol.h` und `msp_protocol_v2_inav.h` im iNAV-Repository prüfen und als Konstanten an einer Stelle sammeln. ### Reihenfolge 1. Rahmen kodieren/dekodieren, Tests gegen aufgezeichnete Bytefolgen 2. Telemetrie lesen, in die vorhandenen `LIVE`-Zeilen einspeisen 3. Erst danach Missionsupload --- ## 6. Gegenstelle (keine App-Arbeit, aber Voraussetzung) Damit beim Testen klar ist, woran es liegt, wenn nichts ankommt. **mLRS Rx:** `Rx Ser Link Mode` = `mspX`, `Rx Ser Baudrate` = 115200, `Rx Snd RcChannel` = `rc override` oder `rc channels`. **mLRS Tx:** `Tx Ch Source` = `crsf`. In EdgeTX internes Modul auf CRSF mit **400 k** Baud (nicht 5,25 M wie bei ELRS). **iNAV:** MSP auf dem UART aktivieren, an dem der Empfänger hängt (UART2 empfohlen), **„Serial RX" auf diesem Port aus**. Baudrate ≥ 115200 — darunter gehen Nachrichten verloren. Receiver-Tab: Receiver Mode `MSP`, RSSI Source `MSP`. Bekannte Grenze: Im 2,4-GHz-FLRC-Modus ist die RC-Rate über MSP auf 37 Hz begrenzt. Für eine autonome Fixed-Wing unkritisch. --- ## 7. Bedienung ### Fly-Modus Beim Wechsel: Verbindung aufbauen, sobald verbunden Polling starten. Beim Verlassen sauber schließen und — falls Stufe 2 oder 3 — die Bindung lösen. **Telemetriealter dauerhaft sichtbar**, nicht nur ein Verbindungssymbol. Im Feld ist das der einzige verlässliche Hinweis, ob die Werte noch stimmen. Vorschlag: grün < 2 s, bernstein < 5 s, rot darüber. Sicherheitsrelevante Anzeigen bei Ausbleiben der Telemetrie kennzeichnen, **nicht** den letzten Wert stehenlassen. Wiederverbinden mit ansteigender Wartezeit (1, 2, 4 … max. 30 s). ### Einstellungen, Abschnitt „Verbindung" - **Art:** WLAN · USB (später) - **Host/Port:** Vorgabe automatisch (Gateway) / 14550, überschreibbar - **Beim Wechsel in Fly automatisch verbinden:** an/aus, Standard an - **Verbindungsprotokoll:** einfache Textansicht der letzten Ereignisse (verbunden, getrennt, Fehler, gelernte Gegenstelle, Paketzähler). Spart im Feld viel Ratearbeit. --- ## 8. Abnahmekriterien - [ ] Stufe-0-Messung durchgeführt, Ergebnis dokumentiert, Stufe begründet gewählt - [ ] Socket bindet auf 14550; ist der Port belegt, wird ausgewichen und geloggt - [ ] Gegenstelle wird aus dem ersten eingehenden Paket gelernt und im Protokoll angezeigt - [ ] Keine feste IP-Adresse im Quelltext - [ ] MSP-Dekodierer verarbeitet beliebig fragmentierte Eingaben korrekt (Test: dieselbe Bytefolge in Stücken von 1, 7 und 512 Byte) - [ ] Fehlerhafte Rahmen werden verworfen, ohne den Strom zu verlieren - [ ] Nur eine offene Anfrage gleichzeitig; Zeitüberschreitung führt zu Wiederholung, nicht zum Hängen - [ ] Telemetriealter immer sichtbar und farblich abgestuft - [ ] Verbindungsabriss → automatischer Neuaufbau, Zustand sichtbar - [ ] Verlassen des Fly-Modus schließt Verbindung und löst eine etwaige Bindung - [ ] Kein Netzwerk-Import außerhalb von `transport/` - [ ] Karten und Wetter funktionieren im Fly-Modus weiterhin (bei Stufe 2/3 der eigentliche Prüfstein) --- ## 9. Hinweise - **Ohne Hardware entwickelbar:** `LoopbackTransport` plus aufgezeichnete MSP-Antworten. Erst danach am echten Gerät gegenprüfen. - Die App steuert das Fluggerät nicht. RC bleibt vollständig bei der Fernsteuerung; MSP dient dem Lesen und dem Übertragen von Missionen. - Referenzen zum Nachschlagen: Kite GC `src-tauri/src/transport/udp.rs` (Kommentar erklärt das Portbindungs- und Peer-Lernen-Problem ausführlich), Mission Planner `ExtLibs/Comms/CommsUdpSerial.cs` (dieselbe Lösung in C#).